Arthur Gordon Wolf (10.07.2020)

Zu manchen Autoren kommt man wie die Jungfrau zum Kinde – ohne damit wirklich zu rechnen. Mein erster Roman von Arthur Gordon Wolf war „Die Weissen Männer“ aus dem KOVD Verlag, die Vorgeschichte seiner UMC-Saga. Durch die Novelle umgehend angefixt, widmete ich mich sofort danach den „Madenjägern“ aus dem Blitz Verlag, verschlang auch diese und suchte jetzt bereits dem Nachschub diesbezüglich entgegen.

Thomas Rippert: Arthur, zuerst einmal vielen Dank, dass Du dir die Zeit nimmst um mir ein paar Fragen zu beantworten.

Für diejenigen, die dich noch nicht kennen, stelle dich doch bitte kurz einmal vor.

Arthur Gordon Wolf: Nix zu danken. Mach ich doch gern. Vorstellen? Okay. Ich verfasse in erster Linie düstere, unheimliche Geschichten, die sich allerdings oft nicht an Genre-Regeln halten. So kann es schon mal geschehen, dass ‚Mystery‘, ‚Horror‘ und ‚SF‘ nahtlos ineinander übergehen. Auch vor Fantasy schrecke ich nicht zurück. Aktuell sind etwa 70 Kurzgeschichten drei Romane und diverse Novellen von mir erschienen. Sogar ein SF-Hörspiel hat es bis ins Radio gebracht (SDR/SWR + HR).

Thomas Rippert: Was hat dich veranlasst überhaupt mit dem schreiben anzufangen? Was war die Initialzündung?

Arthur Gordon Wolf: Oh, das liegt schon sehr lange zurück und beruht wohl auf einem Zufall. Etwa ein Jahr nach meinem Abi traf ich einen ehemaligen Schulfreund in der Stadt. Wir unterhielten uns über dies und das und kamen dann auf Stephen King zu sprechen, der gerade bei Bastei Lübbe für den deutschen Markt entdeckt worden war. Irgendwie kamen wir auf die Schnapsidee, ähnliche Stories wie in Kings erster genialer Sammlung „Nachtschicht“ zu verfassen. So kam es, dass wir uns wöchentlich oder 14tägig unsere neuesten Elaborate zur Begutachtung zusandten. Damals ging das noch nicht per WhatsApp oder Mail. Die Dinger mussten noch alle fein säuberlich auf Papier getippt werden (mit Durchschlägen per Kohlepapier).  – Ja, okay, man sieht, ich bin schon ein paar Semester alt. ;-)) – Wie auch immer. auch wenn wir – NATÜRLICH – nicht die Qualität des Bärtigen aus Maine oder eines Ramsey Campbell erreichten, so wurden wir aber stilistisch besser. Übung macht den Meister usw.. Und dann wurden wir etwa nach einem Jahr recht unverfroren und schickten unsere Stories an diverse Magazine. Ja, auch das ist heutzutage nicht mehr möglich. Welches Magazin druckt heute noch Kurzgeschichten?! Nicht einmal mehr der Playboy. Selbstverständlich sammelten wir jede Menge Ablehnungen, doch dann geschah es: ein recht großes Mode-Männer-Magazin kaufte zwei unserer Stories. Tja, und seit dieser Zeit ging es halt los. Ich hätte in meiner Naivität nur niemals gedacht, dass es von da an nur maximal schwieriger wurde, phantastische Geschichten an den Mann oder die Frau zu bringen. Dafür brauchte und brauche ich bis heute einen verdammt langen Atem. 😉

Thomas Rippert: Meine erste Berührung mit deiner Arbeit, hat mich sofort „abhängig“ gemacht. Will sagen: „Die Weissen Männer“ hatte für mich als Fan dystopischer Literatur definitiv Suchtpotential.

Wie planst Du deine Storys? Ist da die eigene Vorgabe „Ok, so viel Brutalität, so viel Humor, so viel Depression einer kaputten Welt!“, oder lässt Du einfach alles beim Schreiben auf die einstürmen?

Arthur Gordon Wolf: Ich HASSE Plotten. Nur bei ganz speziellen Erzählungen (wie z.B. bei meinen Sherlock Holmes-Pastiches „Die Blaue Taube“ und „Wheezy Joe oder Der Dunkle Gott der Menge“) war es leider unumgänglich. Ansonsten habe ich meist lediglich eine Ausgangssituation, zuweilen auch ein Ende, weiß aber nicht, wie sich die Dinge entwickeln werden. Auf diese Weise benötige ich zwar wesentlich länger als ein plottender Autor (ich schreibe generell seeehr langsam), der Akt des Schreibens hält aber für mich stets den Moment der Überraschung bereit. Wenn ich dies als Leser erwarte, warum sollte ich als Autor darauf verzichten?! 😉 Was nun die Mischung (‚Action‘, ‚Dialog‘, ‚Humor‘ etc.) betrifft, so ergibt sich diese Melange nahezu automatisch beim Schreiben. Irgendwie spürt man, dass man an dieser Stelle einen coolen Spruch platzieren und an jener eine düstere Atmosphäre erzeugen sollte. Oft ergeben sich die einzelnen Elemente durch Dinge, die soeben in der Story „geschehen“ sind; sie entstehen also auf ’natürlichem‘ Weg.

Thomas Rippert: Kommen wir zur UMC-Saga.

Man merkt der Welt an, dass sie gut durchdacht ist und dass sie diverse Anleihen an die Altmeister der dystopischen Literatur hat.

Warum eine Reihe lose zusammengebundene Geschichten anstatt einer konkreten Serie mit feststehenden Helden?

Arthur Gordon Wolf: Die Sache mit UMC hat sich selbständig über die Jahr(zehnt)e entwickelt. Meine erste jemals veröffentlichte Story – „Liebe mich!“ – war eine UMC-Story. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinen Schimmer davon, was einmal daraus werden würde. Erst nach und nach entstanden weitere dystopische Geschichten aus diesem Universum. Der Dreh zum lovecraftschen Universum kam erst Jahre später mit der Novelle „Die Dunwich-Pforte“. Da ich – wie schon erwähnt – kein Freund großartiger Planung bin, ergab sich alles erst peu à peu. Thannag-Shi tauchte auf, die Weissen Männer, Replikanten-Katzen und vieles mehr. Ich begriff, dass es sich hier um eine sehr umfangreiche und nicht ganz unkomplizierte Erzählung drehte. Und bis heute kenne ich das Ende nicht…oder nur in Ansätzen. 😉

Thomas Rippert: Inwieweit lässt Du dich von vorhandenem Material inspirieren? Also Filmen, Büchern usw.. Und von was oder von wem?

Arthur Gordon Wolf: Bewusst von nahezu gar nichts, Lovecraft und seinen Cthulhu-Mythos einmal ausgenommen. Natürlich lese ich recht viel. Jemand der schreibt, MUSS viel lesen und natürlich wandert der Stoff irgendwo ins Unterbewusstsein. Ich erfinde das Rad also nicht neu, kopiere aber nicht gewollt bestimmte Autoren oder Filme. Wenn Leser Parallelen zu Phillip K. Dick oder Ridley Scotts Blade Runner entdecken, so mag das zutreffen, bewusst geschah dies allerdings nicht. Ansonsten inspiriert mich eher die Entwicklung der KI im Allgemeinen. Einige Dinge, die ich in frühen Stories ausgedacht hatte (wie z. B. Thermocolor-T-Shirts), sind in der Zwischenzeit Realität geworden. Ich muss mich also sputen, damit meine DystopieDystopie bleibt und nicht zur ‚Gegenwartsliteratur‘ verkommt. 😉

Thomas Rippert: Den Bezug zu P.K. Dick konnte ich gefühlt nicht von der Hand weisen, und empfinde ihn auch nicht verwerflich.

Verlagstechnisch lässt Du dich ja momentan noch nicht festlegen.

„Die Weissen Männer“ erschien seinerzeit bei Voodoo Press, welche es leider nicht mehr gibt, und jetzt in der Neuauflage bei KOVD. Die „Madenjäger“ sind als Zweiteiler in der Lovecraft-Serie des Blitz Verlages beheimatet.

Wird die UMC noch mehr Verlage mit ihrer Anwesenheit beehren, oder hast Du dein Zuhause gefunden?

Arthur Gordon Wolf: Hehe. Gute Frage. Die vielen Verlage wurden nicht freiwillig von mir gewählt, sondern das düstere Kapitel begann mit dem plötzlichen Ende von VP. Über ein paar Jährchen hatte ich die Zusagen von zwei weiteren Verlagen (die dann aber nicht erfüllt wurden), bis endlich der BLITZ-Verlag zuschlug. Beinahe zeitgleich wandte ich mich an KOVD wegen meiner nun ‚heimatlosen‘ WEISSEN MÄNNER‘ und fand dort nur offene Türen und megaviel Enthusiasmus. Dort wird es bestimmt in nächster Zeit ein weiteres Projekt geben…oder zwei. Ob es beim BLITZ-Verlag weitergeht, kann ich jetzt noch nicht sagen. Nicht jeder Teil meiner UMC-Saga ist direkt von Lovecraft beeinflusst, weswegen die spezielle Reihe also nicht in Frage käme. Schaun wer mal. Ich bin jedenfalls mehr als froh, in dieser verrückten Corona-Zeit bei BLITZ und KOVD eine Heimat gefunden zu haben.

Thomas Rippert: Stichwort „Corona“!

Viele Verlage haben extreme Einbußen in den Verkäufen zu verzeichnen und auch bei vielen Autoren im Selfpublishing ist einiges weggebrochen.

Wir sind uns sicher alle darüber einig, dass gerade die Kunstschaffenden mit am heftigsten von der Pandemie betroffen sind.

Wie gehst Du damit um?

Auf den einen Seite brechen die Verkäufe weg, aber auf der anderen Seite sind es ja gerade Menschen wie Du, welche es dem Nichtkünstler ermöglichen die Pandemie durch Weltenfluchten erträglicher zu machen!

Arthur Gordon Wolf: Ganz ehrlich? Ich lasse den ganzen Mist nicht allzu nah an mich ran. Ich bin in der glücklichen Lage, mein Auskommen unabhängig von äußeren Missständen zu haben. Vom Schreiben konnte ich noch nie leben (weniger als 1% aller Autoren können das) und ich werde es wohl auch nie. Das war mir aber sehr schnell klar. Illusionen schminkt man sich in der Branche schnell ab. Deswegen höre ich aber nicht auf mit dem Schreiben. 2020 hat natürlich auch mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, habe ich doch gleich drei neue (okay ein wiederveröffentlichtes Buch) Werke im Portfolio. Erstmals wollte ich in diesem Jahr nach Marburg zum Con und dann natürlich zur BuCon. Gerne hätte ich dort Madenjäger vorgestellt und daraus gelesen. Tja, da geht es mir wie allen: Pech gehabt. Schaun wir mal, ob es 2021 klappt, doch schon bei der „frühen“ Leipziger Messe kommen mir da so meine Zweifel. Aber Aufgeben zählt nicht.

Was die Wertschätzung von Autoren, Satirikern, Kabarettisten, Regisseuren, Schauspielern usw. betrifft, so bedarf es wohl doch noch eines allgemeinen Umdenkens. Natürlich sind Pfleger, Krankenschwestern, Ärzte, Apotheker aber auch Verkäufer, Postboten, Müllmänner etc. ganz besonders in dieser Zeit wichtig. Alle übrigen Berufe allerdings als nicht oder weniger ‚relevant‘ abzuwerten, geht meiner Meinung nicht in Ordnung. Jeder trägt sein Scherflein dazu bei, damit der Ball am Rollen bleibt. Und Kulturschaffende sorgen halt für psychologischen Ausgleich, eine nicht minder bedeutsame Aufgabe in Corona-Zeiten.

Thomas Rippert: Wahre Worte, denen nichts hinzuzufügen ist! Außer, dass es ja die Möglichkeit einer Livestream-Lesung, z.B. bei Facebook, geben würde.

Next Question: Ich befasse mich ja auf LUKES MEINUNG hauptsächlich mit phantastischen Themen. Nun ist mir im Laufe der Jahre, in denen ich auch Bücher bespreche, aufgefallen, dass gerade bei den größeren Verlagen der Phantastikbereich sehr zusammengeschrumpft ist. Wenn, z.B., Dystopie, dann nur die sicherlich verkaufsträchtige Jugenddystopie, welche inklusive involvierter Lovestory zumindest die Teenager anspricht. Erwachsene Experiment auf diesem Gebiet findet man nur bei den kleineren Verlagen oder im Selfpublishing (WASTELAND von den Vogts bei Knaur einmal ausgenommen).

Sind die älteren Leser der Phantastik vom Aussterben bedroht? Kommt da keine Generation mehr nach, welche unter einer Zombiedystopie etwas anderes als eine Lovestory wie „Warm Bodies“ versteht?

Arthur Gordon Wolf: Die Phantastik im Allgemeinen und die Unheimliche Phantastik im Besonderen sind ja Genre-Sparten, die leider nicht Hunderttausende Fans besitzen, es sei denn man heißt J. K. Rowling oder Stephen King. Ja, es fällt sehr deutlich auf, dass z.B. die Sparte „Horror“ vollkommen bei den großen Verlagen verschwunden ist. Und handelt es sich doch um glasklaren Horror, wird er als „Psycho-Thriller“ vermarktet. Wie das Wort schon sagt, es hat nahezu alles mit dem Markt, mit Kommerz und weniger mit Lesergeschmack zu tun. Ich habe allerdings den Eindruck, als wenn diese Talsohle zwischenzeitlich durchschritten wäre und auch bei den Big Playern wieder Horror und Dark Fantasy salonfähig würde. Für uns Autoren bieten aber mittlere und kleine Genre-Verlage recht viele Plattformen, um seine Werke an die Leser zu bringen. Bei entsprechendem Marketing und genrespezifischer ‚Kundenpflege‘ generiert man auch hier eine wachsende ‚Interessengemeinschaft‘. LUZIFER, FESTA und BLITZ wären dafür gute Beispiele.

Was die Altersstruktur der Fans betrifft, habe ich keine Ahnung. Ich weiß nur aus Statistiken (und durch den täglichen Austausch mit Lesern), dass deutlich mehr Frauen als Männer zum Buch greifen.

Thomas Rippert: Traurigerweise! Männer können aber auch lesen, habe ich mir sagen lassen! 😊

Welche Tipps würdest Du einem Nachwuchsautoren ans Herz legen?

Arthur Gordon Wolf: Männen können lesen, doch leider tun’s nur wenige. Und wenn man dann solche Hirnakrobaten wie Kanye West sieht, der erst gestern stolz postete, dass er nie so etwas Langweiliges wie ein Buch anfassen würde…. seufzzz

Was Tipps betrifft, so bin ich wahrscheinlich die falsche Person. Als ich mit dem Schreiben (und Veröffentlichen) begann, war es eine Zeit (fast) ohne WWW und ohne Smartphone, ohne Email und eigenem Kopierer.

Die einzigen Binsenweisheiten wären:

1.) Lesen, Lesen, Lesen!

2.) An sich glauben, egal was andere sagen

3.) Gleichzeitig aber den Meinungen enger Freunde und Verwandte misstrauen (die finden oft alles „toll“)

4.) Diszipliniert und beharrlich sein Ziel verfolgen

5.) Rückschläge und Absagen als „Normalität“ im Geschäft akzeptieren lernen.

6.) Einen verdammt langen Atem haben. Für Sprinter und Mittelstreckler ist das Schreibgeschäft nichts. Da sollte man schon Marathon- oder gar Triathlon-Qualitäten besitzen. Zuweilen haben einige dies auch tatsächlich in beiderlei Hinsicht – siehe Tim Lebbon.

7.) Ein gewisser Hang zum Masochismus kann auch nicht schaden. 😉

Thomas Rippert: Dem ist von meiner Seite aus nichts mehr hinzuzufügen!

Arthur, ich danke dir nochmals für deine Zeit und die ausführlichen Antworten (das Interview erstreckte sich über mehrere Tage, Anm. des Radaktionseumels).

Ich hoffe noch viel UMC von dir in meine gierigen Suchtfinger zu bekommen. Me Love UMC!!!

Arthur Gordon Wolf: Lieber Thomas, ich habe zu danken. Hat Spaß gemacht. Und was UMC betrifft: I’ll do my very Best! 😉

 

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03 – Madenjäger 02 – Red Meadows (Blitz Verlag)

 



Nora Hollisters Leben wird auf den Kopf gestellt. Sie muss erkennen, dass es unterschiedliche Gruppen gibt, die ihren Tod wollen. In lange Kutten gehüllte Kämpfer, die sich Madenjäger nennen, bringen sie zu einem geheimen Rebellenstützpunkt. Hier erfährt Nora die Wahrheit über den X-Virus, finstere Intrigen der UMC und die Weißen Männer.

SEX…

Hey, was dem Autor Recht ist um Aufmerksamkeit für seine Einleitung zu bekommen, kann mir doch nur billig sein. Die Einleitung von Arthur Gordon Wolf haben es immer in sich. Nicht das sie zu viel vorweg nehmen, oder gar langweilig sind. Nein. Er weist mit humorigen Worten darauf hin, was man vielleicht verpasst haben könnte – Punkt „Dies ist Teil Zwei“ – und lobt auch noch den Leser, dass er Teil Eins bereits kennt.

Man steigt sofort genau dort ein, wo man Nora Hollister im vorigen Band verlassen hat. Nora erkundet und ergründet „Red Meadows“ und erkennt die Welt in der sie lebt immer mehr als das was sie eigentlich ist: Ein schöner Schein!

In diesem ein wenig verzerrten Bild der Jetztzeit, nimmt sich Arthur Gordon Wolf viel Zeit seine Charaktere sehr behutsam und ausführlich weiter auszubauen. Der Bezug zu „Die Weisen Männer“ wird nun auch endgültig hergestellt, da Brendon Tolliver auftaucht und mit ins Geschehen eingreift.

Nora reist nicht nur zum Stützpunkt der Feuerhüter, sondern auch zu sich selbst. Sie lernt, die anerzogenen und vom System weiter aufrechterhaltenen Zwänge abzulegen und zu erkennen, was das Leben an sich denn wirklich ist und was es ihr außerhalb der gewohnten Gesellschaftsstrukturen zu bieten hat.

Action kommt ebenfalls nicht zu kurz, denn die Konfrontationen mit den Kunstwesen sind zwar erst am Ende des Romans zu finden, haben es aber dann in sich.

Es finden sich viele Hinweise auf eher klassische Dystopien, wie zum Beispiel Bradburys „Fahrenheit 451“ oder Orwells „1984“, welche aber nicht als Mittel zum Zweck dienen, sondern eher als fast schon sachbuchartige Veröffentlichungen herangezogen werden.

Je mehr man in der Geschichte des Buches fortschreitet, desto mehr kommt auch die Erkenntnis, dass nicht mehr viele Seiten da sind, die man noch inhalieren könnte. Auch wenn die Welt der UMC-Sage nicht erstrebens- und lebenswert ist, so ist sie doch sehr unterhaltsam und leider ist mit diesem Band die bisherige Bucherscheinung abgegriffen und durchgelesen.

Eines steht auch nach „Madenjäger 2“ weiterhin für mich fest: Ich brauche mehr UMC-Saga! Ich bin kein Freund von Superlativen, dennoch halte ich Arthur Gordon Wolf für ein Naturtalent, was die Unterhaltung mit Tiefgang angeht, denn seine Bücher sind nicht oberflächliche Durchgangskost, sondern es steckt mehr dahinter, als man vermuten mag.

http://www.lukes-meinung.de/serien-rezensionen/umc-saga/03-madenjaeger-02-red-meadows-blitz-verlag/

 

29.05.2020

Technik die begeistert heisst es ja immer wieder. Kühlschränke, die selber einkaufen, selbstständige Rasenmäher und Staubsauger, selbstfahrende Autos, Roboter die uns bei der Arbeit unterstützen oder uns gar ersetzen...cooooool...
 Doch was passiert in der Zukunft mit der Welt, wenn KIs langsam unsere Familie, Mitmenschen und Tiere ersetzten? Und vor allem was passiert mit den Menschen die übrig sind?
 Richtig, sie flüchten sich in virtuelle Welten... ein gefundenes Fressen für UMC (United Merchandise Company), die hier quasi eine Marktlücke für sich entdeckt haben.
 Nun wird es Zeit, den Vorwortsmuffeln (dazu zähle auch ich) einmal ans Herz zu legen das von "Die weissen Männer" zu lesen, da einmal kurz und knackig erklärt wird, was es mit UMC auf sich hat. Backgroundinfos sind nie verkehrt ;-) Und eben in so einer zukünftigen schönen neuen Welt ist unser Protagonist zu Hause. Brandon Tolliver führt ein eher unspannendes Leben.
 Er geht arbeiten, verbringt die meiste Zeit mich sich alleine, kennt bis auf eine Ausnahme keinen seiner Nachbarn und seit kurzem ist er auch noch Single.
 Als seine alte Nachbarin Miss Brookdahl in Not ist, eilt Tollliver ihr zu Hilfe. Ihr Haushaltsreplikant Alexander ist außer Kontrolle geraten. Nach diesem Vorfall verändert sich Miss Brookdahl enorm, und Brandon wird auf einmal ohne den Grund zu kennen, zum Gejagten.
 Plötzlich wird er von wahnsinnigen Replikanten und Killer-Kommandos verfolgt, denn er hat etwas gesehen, was nicht für seine Augen bestimmt war. Der Schreibstil von Arthur Gordon Wolf deckt die gesamte Palette ab. Flüssig, spannend, humorvoll und ohne Vorkenntnisse von UMC leicht verständlich geschrieben . Das schöne ist, dass in "Die weissen Männer" nicht groß rumgeschwafelt wird (Vorwort sei Dank), sondern es unverzüglich zu Sache geht. Man ist quasi ab der ersten Seite mitten drin und voll dabei. Definitiv ein Page Turner. Ich mag die Charaktere,sie sind authentisch und lebendig gezeichnet.
  Vor allem Brandon, weil er sich irgendwie seine Menschlichkeit bewahrt hat und nicht wie alle anderen ignorant durch die Gegend läuft und  auch mal alten Damen in Not hilft. Obwohl er nur so der normale Durchschnittstyp ist finde ich ihn sehr charmant dargestellt.
 Aber da kommen noch zwei andere, die ich umgehend in mein Herz geschlossen habe und die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Einer von ihnen zählt zu der Kategorie: ungewöhnliche Hilfe, mehr verrate ich nicht ;-) Da ich mich nicht zu den Puppenfreunden zähle,fand ich die Replikanten doch schon sehr gruselig. Irgendwie hatte ich da die ganze Zeit das Gesicht von "Annabelle" vor Augen. Das unheimliche Leuchten in den Augen, das fiese Grinsen, die komische Stimme... das  Ganze wurde noch von dem traumhaft düsteren Cover und den tollen Zeichnungen im Buch unterstützt. Man lacht, fiebert mit, denkt nach... ich bin ja eh ein Fan von "Was wäre wenn" Geschichten und Gordon Arthur Wolf hat hier genau meinen Geschmack getroffen.
 Das Ende lässt sehr stark vermuten, dass da noch ein zweiter Teil kommt, ich würde es mir wünschen, denn ich platze vor Neugier! "Die weissen Männer" ist mein Must- Read für 2020, ein kleines Schmuckstück, welches man nicht unterschätzen sollte.

Vielen Dank an den KOVD Verlag für dieses #Rezensionsexemplar <3  #KOVD #ArhturGordonWolf #UMC #DieweissenMänner

Buchwelten

Rezensionsblog und mehr aus der Welt der Bücher

 

 

                                                                             Die weissen Männer von Arthur Gordon Wolf

AWG_Die_weissen_Männer_2020

Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 126 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: keine – Privatdruck
Kategorie: Mystery, Science Fiction, Horror

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Brandon Tolliver eilt seiner  Nachbarin zu Hilfe und wird plötzlich von  unheimlichen Replikanten  verfolgt, ohne den Grund dafür zu kennen. Irgendjemand scheint ihn aus dem Weg räumen zu wollen und Brandon versucht, während seiner Flucht hinter das Geheimnis zu kommen.

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Ich wusste nicht, was mich erwartete, und war umso erstaunter, wie schnell und mit wie viel Freude ich diesen Kurzroman letztendlich dann verschlang. „Die weissen Männer“ war mein erstes Buch von Arthur Gordon Wolf und wird definitiv nicht das letzte bleiben, denn der angenehme Schreibstil konnte mich uneingeschränkt überzeugen. Es ist vor allem die besondere Atmosphäre, die sich durch die ganze Geschichte zieht und mich sofort in den Bann gezogen hat. Der Autor vermittelt diese Stimmung überzeugend und lässt den Leser unmittelbar an den Geschehnissen teilhaben.
An manchen Stellen erinnerte mich das Szenario an die Bücher von Franz Kafka oder die Filme von David Lynch – rätselhaft, mysteriös, einerseits durchschaubar, andererseits geheimnisvoll. Aber auch H.P. Lovecraft oder Philip K. Dick stellen für den Autor offensichtlich eine Inspirationsquelle dar. Der daraus entstehende Genremix ist dennoch absolut eigenständig und faszinierend.

Obwohl es sich bei dem vorliegenden Roman um eine Geschichte aus dem vom Autor ersonnenen UMC-Universum handelt, kann man diesen Kurzroman ohne jegliche Vorkenntnisse lesen. Das UMC-Projekt ist auch als eher lockeres Konzept anzusehen, in dem der Autor Kurzgeschichten, Romane oder eben auch Novellen ansiedelt, die alle in einer dystopischen Zukunftswelt spielen. Arthur Gordon Wolf schafft es mit spielerischer Leichtigkeit, den Leser in diese Welt zu entführen und verstreut auch die ein oder andere Anspielung auf Kultfilme und/oder -bücher, so dass es eine wahre Freude für den aufmerksamen Leser ist, sich in dieser Kulisse zu verlieren. Es ist schon an einigen Stellen beklemmend, wie der Autor die Entwicklung der Menschheit beschreibt. Aber alles hat Hand und Fuß und könnte durchaus genau so sein.

Arthur Gordon Wolf verpackt in seine stimmungsvolle, actionreiche und oftmals auch humorvolle Geschichte auch immer wieder sozialkritische Aspekte, die das Ganze authentisch machen und zum Nachdenken anregen. „Die weissen Männer“ haben mich derart fasziniert, dass ich mir im Anschluss gleich einmal die beiden Romane „Mr. Munchkin“ und „Red Meadows“ besorgt habe, die ebenfalls im genannten UMC-Universum angesiedelt sind und indirekte Fortsetzungen der vorliegenden Geschichte darstellen.
Aber zurück zur Novelle „Die weissen Männer“, die mir in einer ansprechend gestalteten Neuauflage vom KOVD-Verlag vorliegt und mit einigen Illustrationen von Thomas Hoffmann aufwartet, die kongenial zur Geschichte passen und das, durch die bildhafte Schreibweise ohnehin schon filmreife Geschehen noch einmal visuell unterstreichen. Insgesamt gesehen stellt die Neuauflage aus dem KOVD-Verlag für mich ein bibliophiles Highlight dar, das ich immer wieder gerne in die Hand nehmen werde, um darin zu blättern.

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Fazit: Düstere, stimmungsvolle und spannende Dystopie, die hervorragend unterhält.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten


https://buchwelten.wordpress.com/2020/06/08/die-weissen-maenner-von-arthur-gordon-wolf/

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02 – Madenjäger 01 – Mr. Munchkin (Blitz Verlag)


Wir befinden uns in einer nicht mehr fernen Zukunft, in der global agierende Megakonzerne die Regierungen als Exekutive abgelöst haben. Einer der größten Konzerne ist die UMC (United Merchandise Company). Den Hauptumsatz generiert UMC mit humanoiden und tierischen Replikanten, künstliche biomechanische Geschöpfe, die von ihren biologischen Ebenbildern kaum zu unterscheiden sind. In einer der zahllosen Tochterfirmen der UMC arbeitet Nora Hollister als Designerin für intelligente Damentaschen. Ihr bislang sorgenfreies Leben ändert sich dramatisch, als sie eines Tages ein Reparaturteam für ihre defekte Replikanten-Katze ruft. Die seltsamen Weißen Männer, die erscheinen, kommen allerdings nicht von der UMC. In Wahrheit sind sie Gefolgsleute einer uralten Gottheit, die durch milliardenfach gespielte Virtual-Reality-Spiele aus ihrem Schlaf gerissen wurde.
Die Geschichte Mr. Munchkin spielt einige Monate nach der Novelle Die Weißen Männer.

Wer eine Katze bei sich wohnen hat, oder wem seine Katze gestattet bei ihr zu wohnen, der weiß das die felinen Geister sehr eigensinnig sein können. So auch der titelgebende Mr. Munchkin.

Besagter Mr. Munchkin ist ein Replikant, Bezeichnung PPC-X, welcher das Leben von Nora Hollister mächtig auf den Kopf stellt. Wurden, wie in „Die weissen Männer“ ausführlicher beschrieben, die Replikanten durch den X-Virus zu unzurechnungsfähigen Bedrohungen für ihre Besitzer, so macht Mr. Munchkin auch keine Ausnahme. Nachdem er Noras neuste Bettgespielin zum Teufel gejagt hat, tauchen auch bei ihr die weissen Männer auf und versuchen Nora zu kidnappen. Doch haben sie da die Rechnung ohne Nora und ein paar andere Gegenspieler des UMC-Konzerns gemacht.

Nach einem humorigen und sympathischen Vorwort des Autors, in dem er erklärt um was in seiner dystopischen Welt eigentlich geht, trifft man sofort auf Nora und die Story kommt ins laufen. Alles spielt direkt nach den Ereignissen in „Die weissen Männer“ und ich bin der Ansicht, man sollte die Novelle vorher gelesen haben. Denn auch wenn Autor Arthur Gordon Wolf dies nicht als unbedingt nötig erachtet, so erschließen sich dem Leser doch ein paar Dinge aus dem vorliegenden Roman ein wenig einfacher.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und Wolf tanzt spielerisch, mit einer fast schon tänzelnden Einfachheit, stilsicher durch die Geschichte. Selbst das normalerweise schwer verdauliche Technobabble (und damit meine ich andere Autoren) klingt bei ihm wie das normalste Ding der Welt und wirkt nicht zwanghaft aufgesetzt um den Effekt des Komplexen künstlich zu produzieren.

Die Gedankengänge seiner Hauptdarstellerin bewegen sich in ähnlich sarkastischen Bahnen, wie es schon bei Brendon Tolliver in „Die weisen Männer“ der Fall gewesen ist. Gerade dies verhilft der ganzen Sache zur oben bereits erwähnten Verspieltheit des Schreibstils, denn auch wenn die Welt recht kaputt und nicht wirklich wünschenswert erscheint, so machen sie gerade diese Einschübe ein wenig besser verdaulich.

Action, weitere Weltenbildung und Ausweitung des UMC-Kosmos gehen recht homogen Hand in Hand. Auch wenn Mr. Munchkin nur der Katalysator für die ganzen Ereignisse ist und recht wenig Auftrittsmöglichkeiten hat, die „Madenjäger“ erst ganz zum Schluss Erwähnung und Definition erfahren, so ist alles dennoch eine Geschichte aus einem, wirklich sehr unterhaltsam gelungenen, Guss. Der Bezug zu H.P. Lovecraft war für mich allerdings bisher nur durch die cthulhuähnlichen Beschwörungsformeln der weissen Männer gegenüber Mr. Munchkin herstellbar.

Teil Zwei ist bereits erschienen, und ich bin sehr gespannt was Nora in „Red Meadows“, dem Unterschlupf der „Feuerhüter“, erleben wird.

http://www.lukes-meinung.de/serien-rezensionen/umc-saga/02-madenjaeger-01-mr-munchkin-blitz-verlag/